Schmerzende Knieprothese – Was tun?
Etwa 15 Prozent der Patienten, die ein künstliches Kniegelenk erhalten haben, leiden anschliessend unter Schmerzen. Wichtig ist, die Ursachen zu ergründen, erklärt der für Kniechirurgie und Endoprothetik PD Dr. med. Sandro Kohl
Was sind mögliche Ursachen für schmerzende Knieprothesen?
Einige Schmerzen lassen sich medikamentös gut behandeln und erfordern keine weitere Therapie. Wenn sie jedoch den Alltag beeinträchtigen, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Mögliche Gründe sind eine überkorrigierte Beinachse – etwa wenn aus einem X- ein O-Bein wird – oder ein nicht optimal gewähltes Implantat: Ist es zu gross, kann es Reizungen verursachen; ist es zu klein, droht eine Lockerung durch ungünstige Druckverhältnisse. Solche Probleme treten häufiger bei Standardimplantaten auf, bei denen der Knochen an die Prothese angepasst wird.
Auch eine zu hohe oder zu geringe Spannung im Bandapparat kann zu Instabilität oder Steifheit führen. Eine präzise Diagnose ist entscheidend, um gezielt helfen zu können.
Welche Diagnoseschritte sind bei schmerzhaften Knieprothesen erforderlich?
Zentral ist eine ausführliche Anamnese. Im Gespräch wird geklärt, wann und wo die Schmerzen auftreten, wie stark sie sind, ob sie belastungsabhängig sind oder bereits vor der Operation bestanden – all das hilft, den Leidensdruck richtig einzuordnen.
Anschliessend folgen bildgebende Verfahren, vor allem Röntgen, um mechanische Ursachen wie Lockerungen oder Fehlstellungen zu erkennen. Ergänzend wird das Knie klinisch untersucht: Beweglichkeit, Fussstellung und Gangbild geben weitere Hinweise.
Nicht immer ist die Ursache sofort erkennbar – oft ist detektivisches Gespür gefragt. Wichtig ist: Eine sorgfältige Diagnose braucht Zeit und Erfahrung.
Wie können schmerzhafte Knieprothesen behandelt werden?
Ziel jeder Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern oder ganz zu beseitigen. Welche Massnahmen ergriffen werden, hängt vom individuellen Befund und den Bedürfnissen des Patienten ab.
Ein 60-jähriger körperlich aktiver Patient mit Instabilität wird eher zu einer Nachoperation geraten als eine 85-jährige Patientin mit geringem Bewegungsbedarf.
Bei Beschwerden wie Bandinstabilitäten gibt es verschiedene Therapieoptionen – von Abwarten über konservative Ansätze wie Bandagen, Physiotherapie und Schmerzmedikation. Eine sofortige Operation ist bei unklarer Ursache nicht ratsam. Eine Revision sollte nur erfolgen, wenn die Schmerzursache eindeutig ist und operativ behoben werden kann.
Müssen Knieprothesen häufig wegen Schmerzen ausgetauscht werden?
Abgesehen von den regulären Wechseloperationen nach 15–20 Jahren Haltbarkeit, ist ein vorzeitiger Austausch eher selten. Häufige Gründe für eine Revision sind Infektionen (1–2 %), Instabilitäten oder frühzeitige Lockerungen. Und entgegen verbreiteter Annahmen: Nur 1–2 % der Prothesen wurden tatsächlich falsch implantiert.
Wie hoch ist das Risiko von Komplikationen bei Wechseloperationen?
Moderne Revisionsprothesen sind von hoher Qualität – ein bis zwei Wechsel sind in der Regel gut verkraftbar. Mit jeder weiteren Operation steigt jedoch das Infektionsrisiko, und es muss zunehmend Knochenmaterial entfernt werden. Dadurch werden die Prothesen automatisch grösser und die Eingriffe komplexer.
Wechseloperationen sind heute keine Seltenheit mehr, da Patientinnen und Patienten deutlich aktiver und älter werden. Wird eine Knieprothese bereits mit 50–60 Jahren eingesetzt, ist ein Wechsel im Alter von 70–80 Jahren meist unvermeidbar – selbst bei bester Prothesenqualität.
Was können Patienten tun, um Schmerzen nach einer Knieprothese zu vermeiden?
Eine gute Vorbereitung ist entscheidend: Patienten sollten wissen, was realistisch ist – und was nicht. Wer die Prothese als neues Gelenk akzeptiert und nicht als Fremdkörper wahrnimmt, hat meist bessere Ergebnisse. Komplikationen treten häufiger auf, wenn Patienten zu früh oder ohne echte Überzeugung operiert wurden.
Nach der Operation gilt: gesunde Aktivität ja, Überlastung nein. Sportarten wie Marathon, Squash oder Fussball sind eher ungeeignet, ebenso wie übermässiges Schonen.
Ideal ist ein früher Beginn mit gezielten Alltagsbewegungen und moderatem Training.