Kreuzband und Kreuzbandriss | Ruptur des vorderen Kreuzbandes

Die Kreuzbänder sind die Stabilisatoren des Knies. Das vordere Kreuzband verhindert, dass der Unterschenkel im Verhältnis zum Oberschenkel nach vorne gleitet (vordere Schublade); analog dazu sperrt das hintere Kreuzband das Gleiten nach hinten (hintere Schublade).

Die Kreuzbänder führen das Kniegelenk bei jeder Bewegung und sorgen dafür, dass wir unser Schienbein im Kniegelenk nicht überstrecken und unseren Unterschenkel nicht nach innen überdrehen. Ohne die Kreuzbänder ist das Knie nicht funktionsfähig und stabil.

Die Kreuzbänder befinden sich in der Mitte des Kniegelenkes. Das vordere Kreuzband ist mit seinen beiden funktionellen Hauptbündeln – dem „anteromedialen“ und „posterolateralen“ Bündel - ein wichtiger zentraler Stabilisator des Kniegelenks. Das vordere Kreuzband kreuzt im Kniegelenkszentrum das hintere Kreuzband.

Das vordere Kreuzband ist für die sichere Ausübung vieler Sportarten und Berufe und für den Langzeitschutz vor frühzeitiger Abnützung der Gelenksflächen von grosser Bedeutung. Langfristig begünstigt ein Kreuzbandriss die Arthrose im Kniegelenk.

Sportunfall PD Dr. med. Sandro Kohl Kniechirurg

Ursachen für Kreuzbandverletzungen?

Wie bei allen Bändern ist auch beim Kreuzband eine Zerrung bzw Überdehnungen und bei Unfällen ein Riss möglich. Die typischen Verletzungsmechanismen finden sich bei Sportarten wie Skifahren, Fussball, Handball oder anderen „Stop-and-Go“-Sportarten. Vor allem der Riss des Vorderen Kreuzbandes (Vordere Kreuzbandruptur) ist eine häufige Sportverletzung.

Ein Kreuzbandriss ist schmerzhaft. Gelegentlich hört der Verunfallte beim Zerreissen ein „ploppendes“ Geräusch. Danach kommt es zum Anschwellen und zur Bewegungseinschränkung des Knies.

 

Diagnose PD Dr. med. Sandro Kohl Kniechirurg

Wie wird der Kreuzbandriss diagnostiziert?

Einen Kreuzbandriss kann der behandelnde Kniespezialist anhand der typischen Symptome, Knieschwellung, Kniegelenkerguss sowie Instabilität und eingeschränkter Bewegungsumfang des Knies, und der Beschreibung des genauen Verletzungs- oder Unfallhergangs durch den Patienten stellen.

Die beeinträchtigte Stabilität der Bänder lässt sich durch den „Schubladentest“ untersuchen. Lassen sich bei diesem Test Ober- und Unterschenkel über einen bestimmten Wert hinaus gegeneinander verschieben, so ist von einem Schaden des Kreuzbandes auszugehen. Bildgebende Verfahren wie eine Röntgenuntersuchung und eine Magnetresonanztomographie vervollständigen die erste Diagnose.

Patienten PD Dr. med. Sandro Kohl

Wann kann die Kreuzbandverletzung konservativ therapiert werden?

Eine Kreuzbandverletzung kann sowohl konservativ als auch operativ versorgt werden.

Die Akutbehandlung von einer Kreuzbandverletzung besteht in abschwellenden und schmerzlindernden Massnahmen mit Ruhigstellen, Hochlagern, Kühlen und dem Einnahmen von entzündungshemmenden Medikamenten (z.B. Voltaren). Danach ist es wichtig, weitere Verletzungen des Knies auszuschliessen oder zu diagnostizieren. Dafür erhalten die Patienten meist ein Röntgenbild und ein MRI.

Bei alleiniger Ruptur des Vorderen Kreuzbandes kann beim Nichtsportler weiter zugewartet werden. Dies mit dem Hintergrund, dass einige nicht sportliche Patienten das Kniegelenk auch ohne Kreuzband stabilisieren können – mit intensiver Physiotherapie und geeignetem Krafttraining. Eine Operation kann im Verlauf dennoch notwendig werden, sollten im Alltag Instabilitätsgefühle auftreten.

Die Entscheidung für eine Operation trifft der Patient in Übereinkunft mit seinem behandelten Arzt basierend auf dem Ausmass der Instabilität und der Begleitverletzungen, sowie dem Alter und Aktivitätsanspruch des Patienten.

 

05 Kreuzband PD Dr. med. Sandro Kohl Kniechirurg

Wann sollte der Kreuzbandriss operativ behandelt werden?

Vor allem bei Sportverletzungen ist der Kreuzbandriss ein häufiger Unfall am Kniegelenk. Die Verletzung kommt meist durch eine Verdrehung des Kniegelenks zustande, bei der die Bänder nicht mehr in der Lage sind, die Bewegung abzufedern. Die Ruptur am vorderen Kreuzband ist häufiger als der Riss am hinteren Kreuzband. Sollten Begleitverletzungen wie Meniskusrisse oder Seitenbandläsionen vorliegen, ist die operative Behandlung unbedingt empfohlen. Die kombinierte und gleichzeitig erfolgte Schädigung des Innenbandes und/oder der Menisken wird auch als Unhappy Triad bezeichnet. In einigen Fällen wird zusätzlich der Knorpel beschädigt.

Wir bieten zwei bewährte Operationstechniken bei Kreuzbandverletzungen an: Die „konventionelle“ Kreuzbandersatzplastik und die dynamische intraligamentäre Stabilisierung (Ligamys).

Kreuzband PD Dr. med. Sandro Kohl Kniechirurg

Kreuzband-Operation durch Kreuzbandplastik

Bei der Kreuzbandplastik, auch Kreuzbandrekonstruktion genannt, werden die Reste des gerissenen Kreuzbandes entfernt und anstelle dessen über je einen Knochenkanal im Unter- und Oberschenkel ein Ersatzband durch das Knie gezogen. Als Ersatzmaterial stehen uns verschiedene Ligamente am verletzten Knie zur Verfügung. Das am häufigsten verwendete ist die Semitendinosussehne, eine Muskelsehne auf der inneren Rückseite des Knies, die etwa 5% der Beugekraft des Knies ausmacht. Diese Sehne wird 3- oder 4fach gefaltet und mit Haltefäden armiert.

Für die Fixation am Oberschenkel wird ein Metallanker eingearbeitet, die Befestigung im Unterschenkel erfolgt mit einer selbstauflösenden Schraube. Als weitere Sehnen können auch die Kniescheibensehne mit zwei Knochenblöcken entnommen werden oder die Oberschenkelmuskelsehne.

Sollte es zur Unhappy Triad kommen, werden die Schäden am Meniskus bei der Kreuzband-Operation gleich mitversorgt.

Kreuzband-Operation PD Dr. med. Sandro Kohl

Kreuzband-Erhalt mit Ligamys

Bei Ligamys, auch Refixation (Wiederannähen) des Kreuzbandes genannt, werden die Kreuzbandstümpfe mittels Nähten durch den Knochen fixiert. Als Leitstruktur wird ein Faden in der Direktion des Kreuzbandes über dünnere Knochenkanäle durchs Knie geführt. Die Oberschenkelfixation erfolgt ebenfalls über einen Metallanker, die Unterschenkelfixation über eine spezielle Schraube, die über eine Feder die natürlichen Kraftverhältnisse im Kreuzband simuliert und somit die Vernarbung des eigenen Kreuzbandes ermöglichen kann. Diese Technik ist aber nur erfolgversprechend wenn die Operation in den 3rsten 3 Wochen nach Unfall geschieht und der Riss des Kreuzbandes direkt am Oberschenkel erfolgte.

Beide Operationen werden über die Schlüssellochtechnik arthroskopisch, d.h. minimal-invasiv in Schlüsselloch-Technik, vorgenommen. Ligamys ist in den ersten 3 Wochen nach Unfall möglich und es werden spezielle Formulare für die Krankenkassen und für medizinische Studien notwendig. Die konventionelle Technik ist zu jeden Zeitpunkt nach der Verletzung möglich.

Spital PD Dr. med. Sandro Kohl Kniechirurg

Dauer des Spitalaufenthaltes und Arbeitsunfähigkeit?

Die Kreuzbandoperation erfolgt in der Regel mit einem stationären Aufenthalt von ca. 3 bis 4 Tagen.

Je nach Art und Grösse des der Zusatzverletzungen ist eine längere oder kürzere Hospitalisationsdauer erforderlich.

Konservativ PD Dr. med. Sandro Kohl Kniechirurg

Nachbehandlung und Therapie bei der Kreuzbandoperation

Die Nachbehandlung richtet sich nach den Begleitverletzungen. Nach Ligamys und der konventionellen Technik ohne Begleitverletzungen kann der Patient direkt vollbelasten. Physiotherapie startet sehr früh mit Bewegungstraining und Gangtraining. In der Regel laufen die Patienten etwa 2 Wochen mit Gehstöcken.

Bei begleitender Meniskusverletzung, die intraoperativ genäht wurde, muss bei komplexen Rissen mit einer Teilbelastung von 15kg gerechnet werden. Eine Einschränkung der Beugung auf 60/90° für je 3 Wochen ist notwendig und eine stabilisierende Schiene mit den gegebenen Limiten wird angepasst.

 

KnieChirurg PD Dr. med. Sandro Kohl Zurich 12

Zu erwartende Resultate und Risiken der Kreuzband-Operation

Da die Kniemuskulatur in kurzer Zeit die gewohnte Kraft abbaut sollte schnellstmöglich nach der Operation mit der Rehabilitation begonnen werden. Physiotherapie ist in allen Fällen ein grosser Bestandteil der Nachbehandlung und es ist sehr hilfreich, wenn Patienten sich schon vor dem OP-Termin bei einer Praxis anmelden.

Das individuelle Physiotherapieprogramm (3-5 mal Woche) richtet sich einerseits nach den Zusatzverletzungen (zB. Meniskusläsion) und der angestrebten sportlichen Belastung. Am Ende erfolgt eine Testung der Kniefunktion mittels einem Back-to-Sports Test (ca. 5-7 Monate nach OP). Sollte sich hierbei eine Kniefunktion von mehr als 85% im Vergleich zum gesunden Bein zeigen ist die Rückkehr zum gleichen Sportlevel ohne vermehrte Risiken gegeben.

Regelmässige Kontrollen finden 6 und 12 Wochen sowie 6 bzw. 12 Monaten (24 Monate) nach der Operation bei uns statt.  Global gesehen sind über 85% der behandelten Patienten zufrieden bzw. sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Behandlung. Die Gefahr eines wiederkehrenden Kreuzbandrisses liegt bei ca. 10-20% in den folgenden 5 Jahren.

 

Experten-Sprechstunde in Zürich und Bern

Sie haben eine Verletzung oder Erkrankung am Kreuzband?

Das Knie ist das grösste Gelenk im menschlichen Körper und als zentraler Drehpunkt während des gesamten Bewegungsablaufes enormen Kräften ausgesetzt. Die Belastbarkeit wird durch das Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Knochen und Bänder ermöglicht. Jedoch können bereits kleine Störungen der sensiblen Biomechanik im Knie zu beträchtlichen Einschränkungen der Funktionsweise führen. Eine umfassende Diagnostik und langjährige Erfahrung sind die wichtigsten Voraussetzungen für die individuell auf den Patienten angepasste Knie-Therapie.

 

Privatdozent Dr. med. Sandro Kohl

Wir bringen Sie wieder in Bewegung.

In meinem internationalen Referenzzentrum für Knieorthopädie  behandle ich in Zürich und Bern alle Verletzungen und Erkrankungen des Kniegelenks. Durch die Anbindung an die Spitzenmedizin der Klinik Hirslanden, meine Mitgliedschaft in nationalen und internationalen Expertengesellschafen und meine mehr als 10’000 durchgeführten Knieoperationen können Sie die Gewissheit haben, nach dem Neusten Stand der Wissenschaft beraten zu werden.

Mein Ziel ist es, Ihr Kniegelenk so lang wie möglich zu erhalten und notwendige Eingriffe mittels minimal-invasiven Techniken schonend zu gestalten, um meinen Patienten eine schnelle Rückkehr in einen möglichst schmerzfreien Alltag zu ermöglichen.

 

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