Meniskusriss
PD Dr. med. Sandro Kohl
Spezialist für Sportmedizin und Kniechirurgie
Meniskus & Meniskusriss – Verletzungen und Schäden am Knie
Das Knie ist das grösste Gelenk im menschlichen Körper. Das gesunde und stabile Knie ist sehr belastbar und verfügt über eine grosse Beweglichkeit. Die Bänder, Sehen und Gelenkflächen im Knie gewährleisten die Beweglichkeit und Stabilität des Knies. Alle knöchernen Gelenksflächen sind mit einer Knorpelschicht überzogen. Ein wesentlicher Bestandteil sind die zwei Faserknorpelscheiben, die beiden Menisken. Gemeinsam bilden sie funktionell einen Ring welcher die Kontaktfläche zwischen Ober und Unterschenkel vergrössert und das Knie zusätzlich stabilisiert.
Die beiden halbmondförmigen Gewebescheiben bestehen aus dichtem, elastischem Knorpel und Bindegewebe, das sich optimal den Gelenkflächen von Ober- und Unterschenkel anpasst. Diese bindegewebigen Strukturen dienen als Oberflächenvergrösserung und Stossdämpfer indem sie den Druck verteilen und zwischen dem Ober- und Unterschenkel ausgleichen. Der Knorpelüberzug und die Menisken sorgen zusammen mit der von der Gelenksinnenhaut (Synovialis) produzierten Gelenkflüssigkeit (Synovia) für ein reibungsarmes Gleiten der einzelnen Gelenkskomponenten.
Im Querschnitt sind Menisken am Rand höher geformt als im mittigen Bereich. Der äussere Rand nahe der Gelenkwand ist von Blutgefässen (red zone) durchzogen. Der innenseitige Meniskusanteil ist nicht durchblutet (white zone).
Der Aussenmeniskus ist generell beweglicher als der Innenmeniskus, der mit der Gelenkkapsel und dem Knie-Innenband verwachsen ist. Für den Heilungsverlauf bei einer Meniskusoperation ist es entscheidend, ob der Aussen- oder Innenmeniskus von einem Meniskusriss betroffen ist.
Meniskus als Stossdämpfer und Arthrose-Schutz
Der Meniskus wird besonders bei Rotationsbewegungen, z.B. sportlicher Betätigung mit schnellen Bewegungsabläufen, des Knies gefordert. Vor Drehungen nach aussen belasten den Innenmeniskus und Innen-Drehungen den Aussenmeniskus.
Die Hauptaufgabe der Menisken sind Bewegungen innerhalb des Kniegelenks als Stossdämpfer abzufedern und den Reibungseffekt auf dem Gelenkknorpel des Knies optimal zu schützen. Die beiden Menisken sorgen für Stabilität und Knorpelschutz.
Meniskusverschleiss (Chronische Meniskusriss)
Nicht nur die Knorpelflächen sondern auch die Menisken des Kniegelenks sind im Laufe des Lebens von altersbedingte Degenerationen betroffen. Die Menisken werden durch den häufigen Druck der Körperlast immer dünner und können dann einreissen oder ganz abgenutzt werden.
Die sogenannte Meniskopathie kann ausgesprochen schmerzhaft sein. Der chronische Knorpelverschleiss macht sich durch eine schrittweise Verschlimmerung der Schmerzen bemerkbar. Mit weitgehend verschlissenen Menisken fehlt dem Kniegelenk der wichtige Stossdämpfer, das Kniegelenk ist in dieser Situation stark von Arthrose gefährdet.
Meniskusriss (Ruptur)
Unfallbedingte Knieverletzungen die einen Meniskusriss verursachen, sind sehr schmerzhaft. Am Anfang treten die Beschwerden nur bei Belastungen der Knie auf. Später spürt der Patient sie auch dann, wenn er nur längere Zeit steht oder sitzt.
Risse am Innenmeniskus kommen häufiger vor als am Aussenmeniskus. Fällt der Meniskus dauerhaft aus, kann daraus eine Kniearthrose entstehen.
Diagnose der Meniskusverletzung
Vor einer Meniskusriss-Operation muss das betroffene Knie gründlich untersucht werden. Neben der körperlichen Untersuchung werden Röntgenbilder und eine Magnetresonanztomografie (MRT) angefertigt. Auf den Bildern kann der Kniespezialist feststellen, an welcher Stelle der Meniskus beschädigt ist und ob, auch Bändern oder Knorpelgewebe von der Verletzung betroffen sind.
Je nach Ergebnis der Untersuchung wird die entsprechende Behandlungsmethode gewählt. Das beeinträchtigte Kniegelenk wird dabei geschient und mit abschwellenden Medikamenten behandelt. Zur Absichern der Diagnose wird eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) gemacht, um bei Bedarf mit einer minimal-invasiven und gewebeschonenden Operation eingreifen zu können.
Meniskusriss ohne Operation (konservative Therapie)
Bei kleinen Rissen kann der Meniskus auch ohne Operation mit einer konservativen (nicht-operativen) Meniskusriss-Therapie behandelt werden. Besonders Verletzungen in der gut durchbluteten Aussenzone des Meniskus können manchmal von alleine heilen. Dabei wird der Meniskusriss mit Schmerzmitteln, Kortisonspritzen und Physiotherapie behandelt. Das Knie sollte in der ersten Zeit nach der Meniskusverletzung so gut wie möglich geschont werden.
Treten aber wiederholt Meniskusschmerzen auf oder wird bei der Untersuchung festgestellt, dass sich am Riss Teile des Meniskus gelöst haben und sich nun im Gelenkspalt befinden, ist die Meniskus-Operation empfohlen. Mit einer kombinierten Therapien können viele Beschwerden durch chronische Meniskusrisse innerhalb von 2-3 Monaten deutlich reduziert werden.
Minimal-invasive Meniskusoperation als Standard-Methoden
Während früher meistens über einen Schnitt „offen“ operiert wurde, ist heute die arthroskopische Meniskusoperation (Gelenkspiegelung) das Mittel der Wahl. Auch wenn zusätzlich Schäden an Bändern im Kniegelenk oder an der Gelenkkapsel festgestellt werden, ist die sogenannte minimal-invasive Methode heute Standard.
Die Eingriffe erfolgen in der Regel unter regionaler Narkose oder ausnahmsweise in Vollnarkose.
Meniskusnaht (Meniskusrefixation)
Bei der Meniskusrefixation wird das abgerissene Meniskusgewebe wieder an gesunde Teile des Meniskus und der Kniegelenkskapsel angenäht. Dazu werden die Ränder geglättet, das Gewebe in seine ursprüngliche Position gebracht und durch spezielle resorbierbare Materialien in dieser Position gehalten.
Eine Meniskusrefixation ist möglich, wenn sich der Meniskusriss nicht durch den gesamten Meniskus zieht und der Meniskus noch an der Kapsel befestigt ist, sodass er dort wieder fest angenäht werden kann und darüber weiterhin mit Blutgefässen versorgt wird.
Meniskus-Teilentfernung (Meniskusteilresektion)
Die Meniskusteilresektion wird dann angewandt, wenn sich einzelne Teile vom Meniskus vollständig gelöst haben, wenn degenerative Veränderungen im Knie zu erkennen sind oder wenn der Riss schon älter ist und die abgerissenen Teile nicht mehr mit Blutgefässen versorgt werden. Bei dieser Meniskus-Operationstechnik werden nur die abgerissenen Stücke des Meniskus (Meniskusteilresektion).
Eine Entfernung des komplette Meniskus (Meniskusresektion) ist veraltet und ist nur extrem selten nötig.
Meniskusersatz
Beim Meniskusersatz wird der beschädigte und vollständig entfernt Meniskus durch ein Ersatzmodell aus Polyurethan, Kollagen oder von einem Meniskustransplantat eingesetzt. Die Implantation erfolgt minimal invasiv im Rahmen einer Arthroskopie.
Nachbehandlung und Therapie
Nach einer Meniskusnaht bei akutem Riss ist die Nachbehandlung etwas langwieriger. In der Regel erhalten die Patienten eine stabilisierende Schiene, welche die Beugung des Knies auf 60-90° beschränkt für 3-6 Wochen. Die Belastung erfolgt zu Beginn für 2-6 Wochen mit Teilbelastung an Unterarmgehstützen. Die Dauer und Intensität richtet sich nach Lokalisation und Grösse der Meniskusnaht.
Nach jeder Meniskus-Operation erfolgt eine individuelle Physiotherapie, bei der Ihr Knie langsam wieder an die Bewegung gewöhnt und die Muskulatur gestärkt wird. Nach einer erfolgreichen Meniskusoperation und einer optimalen Nachbehandlung ohne weitere Komplikationen kann das nach der Operation wieder annähernd wie vor der Verletzung belastet werden.