Knochenbrüche am Knie
PD Dr. med. Sandro Kohl
Unfall- und Gelenkchirurgie
Knochenbrüche am Knie – Kniefrakturen im Überblick
Knochenbrüche (Frakturen) an der Unteren Extremität entstehen bei jungen Patienten aufgrund der guten Knochenqualität häufig erst als Folge eines Hochenergietrauma (z.B. Motorfahrzeugkollision).
Bei älteren Patienten hingegen ist durch Knochenschwund (Osteoporose) die Widerstandsfähigkeit des Knochens herabgesetzt, sodass hier bereits ein Niedrigenergietrauma (z.B. Sturz aus dem Stand) zu einem Knochenbruch führen kann.
Wie wird der Knochenbruch diagnostiziert?
Hinweise für das Vorhandensein von Knochenbrüche können Schmerzen, Schwellung, ein Bluterguss oder auch eine Funktionseinschränkung sein. Diese Zeichen sind jedoch unsicher.
Hingegen sind eine neu aufgetretene Achsenabweichung, ein „Knirschen“ beim Bewegen oder eine atypische Beweglichkeit sichere Zeichen für einen Knochenbruch. Dieser muss jedoch immer mit mindestens zwei Röntgenaufnahmen bestätigt werden.
Eine Ergänzung bietet die Computertomographie. Durch die Bildgebung kann auch das genaue Ausmass der Fraktur bestimmt werden. Dieses hängt ab von dem Ort des Knochenbruches und der Anzahl Fragment. Es können zwei Fragmente oder mehrere vorhanden sein („Trümmerbruch“).
Einteilung der Knochenbrüche
Frakturen (Brüche) können am Röhrenknochen auftreten, konkret am Kniegelenk ohne Beteiligung des Kniegelenkes, also Oberschenkel- und Unterschenkelschaftfrakturen.
Auf der anderen Seite kann das Kniegelenk teilweise oder komplett mitbetroffen sein. Entsprechend lassen sich Frakturen mit Beteiligung des Kniegelenkes, in die Oberschenkelfraktur, die Kniescheibenfraktur und die Unterschenkelfraktur unterscheiden.
Begleitverletzungen bei Knochenverletzung
Neben der reinen Knochenverletzung dürfen Verletzungen der Weichteile nicht verpasst oder unterschätzt werden. Prinzipiell kann hierbei unterschieden werden zwischen „geschlossenen“ und „offenen“ Frakturen.
Der wesentliche Unterschied zwischen diese beiden Formen ist dass bei den „offenen“ Frakturen der Knochen durch die Haut durchgespiesst war und durch das Umfeld verschmutzt sein kann (Kontamination mit Bakterien).
Therapie bei Knochenbrüchen am Knie
Das Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung der bestmöglichsten anatomishen Stellung (Alignements) ohne relevante Achsabweichungen und sofern die Gelenkfläche betroffen ist, sollte diese stufenfrei wiederhergestellt werden. Sollten ein Kunstgelenk mitbetroffen sein, hängt die Therapie davon ab, wie dieses Kunstgelenk vorher funktioniert hat (Abnützung) und ob durch die Fraktur dieses locker ist.
Bei ausgeprägten Begleitverletzungen der Weichteile kann ein interdisziplinäres Vorgehen zur Deckung des Defektes mit Weichteilen durch einen Plastischen Chirurgen notwendig werden. Auch ist häufiger eine antibiotische Therapie notwendig. Nebst der korrekten Therapieauswahl ist im Behandlungskonzept auch im Ganzen zu sehen. Besonders bei älteren Patienten ist aufgrund bestimmter alterstypischer Nebendiagnosen die interdisziplinäre Betreuung sinnvoll.
Dauer des Spitalaufenthaltes und Arbeitsunfähigkeit?
Der Spitaleintritt erfolgt in der Regel am Operationstag. Der stationäre Aufenthalt liegt bei Therapie komplexen Knieverletzung je nach nötiger Teilschritte bei etwa vier bis sieben Tagen.
Es ist mit einer Arbeitsunfähigkeit bei Bürotätigkeiten zwischen 4-12 Wochen und bei stehenden Berufen zwischen 4-6 Monaten zu rechnen. Ob kniebelastenden Tätigkeiten überhaupt noch durchführbar sind ist individuell im Einzelfall zu diskutieren.